Der Heilige Berg Áthos
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Aufenthalt

Wenn man die Formalitäten zur Einreise in die Mönchsrepublik hinter sich gebracht hat, führt der erste Weg zur Fähre nach Dafni, die morgens gegen 09:45 Uhr in Ouranoupoli ablegt (Einschiffung ab 09:20 Uhr). Dort muß man eine Fahrkarte kaufen sowie das Diamonitirion und den Reisepaß bzw. Personalausweis vorzeigen.

Am Athoshafen Dafni erfolgen normalerweise keinerlei Kontrollen mehr, mal gelegentlich von Mönchen abgesehen, die als Mann verkleidete Frauen entlarven möchten. Jedenfalls wartet bei der Ankunft des Schiffes bereits ein betagter Bus, welcher meist völlig überladen nach einer etwa einstündigen Fahrt den Verwaltungsort Karies im Landesinneren erreicht.

Diesen Bus muß man jedoch nicht zwingend nehmen. Man kann sich direkt nach der Ankunft für den erlaubten Zeitraum frei auf dem Heiligen Berg bewegen. Optimalerweise nutzt man jedoch zunächst diese Transportmöglichkeit.

In Karies trifft man oft auf Pilgergruppen, die auf einen Unimog warten, der einen zum gewünschten Kloster bringt. Man kann sich diesen anschließen oder alternativ per Pedes die Mönchsrepublik durchwandern.

An den Pforten der Klöster (die i.d.R. bei Sonnenuntergang schließen) ist dem Pförtner das Diamonitirion vorzuzeigen. Zur Begrüßung gibt es meistens eine Süßigkeit, einen Kaffee oder einen Tresterschnaps. Anschließend wird eine Unterkunft zugewiesen, die i.d.R. mit anderen Pilgern geteilt werden muß. Die Gästezimmer sind zwar einfach und spartanisch eingerichtet, jedoch sehr sauber und normalerweise bereits mit Bettwäsche ausgestattet.

Zu den Gottesdiensten in den Klöstern ist jeder herzlich eingeladen, oft müssen Angehörige nicht-orthodoxen Glaubens jedoch im Vorraum der Kirchen verharren.

In Sachen Mahlzeiten sollte man kein Menü erwarten, vielmehr handelt es sich um recht spärliches Essen, welches allerdings zum Überleben ausreicht. Es wird im Trapezería, dem Refektorium, eingenommen, wobei gelegentlich auch Mönche dabei anwesend sind.

Die Bibliotheken und Schatzkammern der Klöster sind für Pilger normalerweise nicht zugänglich. Nur in Ausnahmefällen kann man einen Blick hinein werfen. Auch viele andere Bereiche der Komplexe sind für Besucher tabu.

In jedem Fall sind die Gepflogenheiten bzw. Vorschriften der Klöster einzuhalten. So ist dezente Kleidung zu tragen (lange Hosen, Oberkörper bedeckt). Filmaufnahmen sind untersagt, Fotos dürfen jedoch oft - aber nicht immer und überall - gemacht werden. Davon ausgenommen sind Kirchen und Speisesäle. Und Achtung: Mönche ohne deren ausdrückliche Einwilligung zu fotografieren kann schnell zu Feindschaften führen! Ansonsten dürfen Musikinstrumente aller Art nicht benutzt werden. Ebenso ist das Baden in Sichtweite der Klöster zu unterlassen und rauchen darf man auch nicht überall.

Die Klöster erheben allesamt keinerlei Gebühren für den Aufenthalt. Man ist freiwilligen Spenden gegenüber aber absolut nicht abgeneigt.

Die Rückfahrt nach Ouranóupoli muß nicht zwangsweise von Dafni aus erfolgen. Es besteht auch die Möglichkeit, an einem der Klöster zuzusteigen, die sich an der Westküste befinden und die über einen eigenen Anleger verfügen. Natürlich nur, sofern das Schiff zum gewünschten Termin auch überhaupt dort ablegt, und wenn, ob es dann nicht bereits überfüllt ist.

Im Hafen Dafni wird man bei der Ausreise für gewöhnlich durchsucht. Damit soll vermieden werden, daß Gegenstände aus den Klöstern entwendet werden. Das Schiff nach Ouranóupoli legt dann meistens gegen Mittag ab.

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Michael Brüser
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